Gabriele Schade-Hasenberg, Berlin - g.schadeh@gmx.net
Nr. 23: o.T. 2008, Öl auf Baumwolle, 50 x 50 x 2 cm Nr. 24: o.T. 2007, Öl auf Baumwolle, 30 x3 0 x 2 cm Nr. 33: o.T., 2004, Öl auf Baumwolle, 40 x 40 x 2 cm Nr. 11: o.T., 2008, Öl auf Baumwolle, 125 x 60 x 2 cm Nr. 10: o.T., 2005, Öl auf Baumwolle, 125 x 60 x 2 cm Nr. 17: o.T., 2007, Öl auf Baumwolle, 125 x 125 x 2 cm
Biographische Daten

Geboren 1953 in Gelsenkirchen
Studium der Chemie und Pharmazie
Als Malerin Autodidaktin
Lebt und arbeitet in Berlin


Werke in öffentlichen Sammlungen

Karl-Ernst Osthaus Museum, Hagen
Museen der Stadt Lüdenscheid

Einzelausstellungen

2010
Kunst und Aktionsraum Schillerpalais, Berlin

2002
Renate Schröder Galerie, Köln
Kunstverein Hattingen

2001
Renate Schröder Galerie, Köln
Verein für aktuelle Kunst, Oberhausen (mit F.Tschentscher)

2000
Galerie Konrad Mönter, Meerbusch-Osterath

 

 

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)

2010
"von hier", Alte Villa im Kunstmuseum Gelsenkirchen

2009
Galerie Ucher, Köln
Color Exchange, Berlin-New York (mit G.Evertz, J.Jackson, S.Jung):
Galerie Parterre, Berlin
Metaphor contemporary art gallery, New York

2005
Galerie Ucher, Köln

2004
Die Farbe hat mich II (nicht nur Rot), Karl-Ernst Osthaus Museum, Hagen

2003
Seeing Red, hunter college, New York (Publikation)

2002
Colour-a life of its own, Mücsarnok Kunsthalle, Budapest (Publikation)
Künstlerknöpfe II, Museen der Stadt Lüdenscheid (Publikation)

2000
Art Studio Deinste
Von Haus zu Haus, Museen der Stadt Lüdenscheid (Publikation)
Acchrocage, Mies van der Rohe Haus, Berlin
Farbe-Licht-Form (mit G.Dohr, F.Piasta, E.Wolff)
Wirtschaftsverband Bildender Künstler im Forum Bildender Künstler, Essen

1999
Die Farbe (Rot) hat mich, Karl-Ernst Osthaus Museum, Hagen (Publikation)

 

Zu zwei Bildern von Gabriele Schade-Hasenberg

Rein äußerlich können die Gemälde von Gabriele Schade-Hasenberg zwei vage Erinnerungen hervorrufen: die vergleichsweise strengen geometrischen Formen – orthogonale Rechtecke – in einem engen Farbbereich lassen entfernt an Bilder Ad Reinhardts der 60er Jahre denken. Aber eben nur entfernt, denn es fehlt die größere Strenge der systematisch unterteilten Quadratform, meist die völlige Verdunkelung der Farbe und schließlich die Mattheit der Farbe. Hierin erinnern die Bilder eher an schwer gefirnisste "Alte Meister", etwa die weitgehend in Dunkelheit getauchten Gemälde Rembrandts, auf deren Oberfläche das reale Licht Reflexe bildet. Aber auch hier bleibt die Erinnerung vage.
Beide kunsthistorische Assoziationen leiteten in die Irre, wollte man ihnen ernsthaft folgen, sind aber nützlich, weil ihre Korrektur viel über die Gabriele Schade-Hasenbergs Bildern eigenen Qualitäten aussagen kann. Die Bilder entstehen eher aus einer Stimmung, einer Farbwahrnehmung oder – erinnerung heraus, nicht auf der Basis eines emotional neutralen geometrischen Farbformkonzeptes, zumal eines streng durchsystematisierten. Ihre „Freihand- geometrie“ entsteht nicht vorbedacht, sondern dadurch, dass die hell grundierten, liegenden Farbträger zuerst locker aufgetragene, wäßrig-dünne Eitempera-Untermalungen ohne festes Formziel erhalten. Die horizontale Position verhindert das Abfließen der Farbe, die sich stattdessen stauen und wolkige Strukturen bilden kann. Erst aus diesen gewinnt die Malerin im Lauf der Arbeit eine Formvorstellung, die sie durch zahllose nachfolgende Schichten ebenfalls wäßrig-dünner, mit Kunstharz gebundener Farben langsam konkretisiert, so dass  sich die erst lockere Anlage immer weiter verdichtet. Dieses Herausarbeiten fester Formen ist jedoch nicht allein an die noch eher amorphen Zufallsstrukturen der Untermalungen gebunden, also nicht willkürlich, sondern geschieht, je länger desto bestimmter, mit Blick auf eine stimmige Gliederung der Fläche. Die noch weitgehend willkürliche Struktur der Untermalung weicht also in der zweiten Arbeitsphase einer zwar von ihr noch angeregten, aber nun im wesentlichen von der Künstlerin bestimmten, jeweils immer wieder neu zu findenden Ordnung.
Zwar entstehen die Bilder, wie die von Ad Reinhardt, durch zahllose Überlagerungen dünner Farbschichten, doch liegt ihnen kein systematisches Formschema zugrunde. Das Farbformgefüge  ergibt sich ohne voraus gedachte Absicht. Der nahe liegende Begriff Komposition, also ein Ordnungsgefüge heterogener Bildelemente, erscheint bei Schade-Hasenbergs Bildern allerdings nicht unproblematisch – eventuell könnte er durch Konstellation ersetzt werden -, weil die Bildelemente nur bedingt heterogen sind: allen ist der orthogonale Bezugsrahmen sowie die Farbigkeit gemeinsam. Es sind eigentlich nicht der Fläche aufgesetzte autonome Formen, sondern "Unter-Farbformen", die zum einen durch ihre Orthogonalität immer mit allen anderen wie auch mit dem Bildformat, zum anderen sowohl farblich wie textural zusammenhängen. Alle liegen innerhalb eines meist eng gesteckten Farbhorizontes, etwa Rot, in dem sich die Formen nicht besonders isolieren. Es finden sich dunklere Rottöne in (nicht auf !) helleren Rottönen und bleiben mit diesen durch den Lasurauftrag eher weich verschliffen. Hierbei ist nun das Bindemittel wichtig, nicht nur als technische, sondern auch als ästhetisch wirksame Komponente der Gestaltung. Eine lediglich mit Firnis überzogene Ölmalerei könnte die gewünschten Wirkungen nicht erzeugen. So sehr sich die Farben in Schade-Hasenbergs Malerei verdichten und verdunkeln mögen, bleiben sie doch stets hinterlichtet, das heißt erhalten ein Tiefenlicht von der unter ihnen liegenden hellen Grundierung durch alle Farbschichten hindurch;  ein Effekt, der sich der Brechungsfähigkeit des Lichtes durch die Kunstharzlagen verdankt. Grob vereinfacht läßt sich die Farbschicht mit einer in der Substanz gefärbten Glasscheibe vergleichen, die auf einem hellen Grund liegt und diesen durchscheinen läßt. So verdankt sich auch das satte Leuchten der Farbe von Schade-Hasenbergs Gemälden der Helligkeit aus der Tiefe, und sei sie noch so sehr zurückgedrängt. Ölmalerei, auch lasierende, könnte dies schon deshalb nicht in gleicher Weise leisten, weil ihr Bindemittel einen anderen Lichtbrechungsindex hat.
Ein zweiter ästhetisch relevanter Effekt resultiert aus der technischen Vorgabe. Das Kunstharzbindemittel erlaubt nicht nur eine innere Einflussnahme der Farbe auf das Licht, nämlich die Brechung, sondern auch eine äußere, den Reflex. Auch hier wäre die Wirkung anders, handelte es sich etwa um einen nachträglichen Firnis, der die Farbe ja ähnlich versiegelte wie eine unmittelbar aufliegende Scheibe Klarglas, nur dünner. Das Licht muß nicht erst diese Schutzschicht überwinden, bis es auf die Farbe trifft; es wird unmittelbar von der gesättigt glänzenden Farbe zurückgeworfen. Dadurch wird der "reine" Farbeindruck – wenn es denn einen solchen jemals geben könnte – natürlich stark beeinträchtigt. Lichtreflexe, Spiegelungen der Umgebung, Gegenstände anderer Farbigkeit, der gespiegelte Betrachter selbst verunklären die Sichtbarkeit der Farbformzusammenhänge, was jedoch nicht als Verlust miss zu verstehen ist, sondern geradezu als Aufforderung, sie sich visuell zu erarbeiten. Der Gehalt dieser Malerei liegt nicht bloß zutage, er muss vom Betrachter durch eigene Leistung gewonnen werden; gar nicht unähnlich einem „ glänzenden „ Alten Meister, dessen Feinheiten in den Dunkelheiten ebenfalls oft „ verspiegelt „ erscheinen, unserer Aufmerksamkeit letztlich jedoch nicht entgehen.
Hierin unterscheidet sich Schade-Hasenbergs Malerei deutlich von etwa industriell lackierten Produkten homogener Farbigkeit, die in der heutigen Kunst bisweilen als Malerei deklariert eingesetzt werden. Denn während dort die Farbe hinter dem Reflex im Grunde beliebig ist, muss sie hier als eigener ästhetischer Wert mit Farb- und Formqualität entdeckt, freigelegt werden. In dieser Malerei ist, anders als beim industriellen Produkt, nichts oberflächlich, außer den zu überwindenden Reflexen. Die verschiedenen Produktionsbedingungen und die Wirkungen aller Faktoren dieser Gemälde hängen miteinander zusammen. Nichts ließe sich isolieren oder verändern, ohne das Ganze zu verfälschen oder zu zerstören. Sie bilden eine völlige künstlerische Einheit.
Matthias Bleyl
© by Gabriele Schade-Hasenberg und/and www.farbmalerei.com